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Ist es Menschenaffen möglich, Kunstwerke zu schaffen?

Am 10. Februar war es wieder so weit. Der Tag, auf den alle Philosophen der Schule und vor allem Frau Kretschmann, ein ganzes Jahr gewartet hatten: Prof. Ingensiep von der Universität Duisburg-Essen kam bereits zum siebten Mal in die Goetheschule, um mit den GK PL der Stufen 10-12 und dem GK KU von Frau Bieniek über ein Thema zu diskutieren, über welches sich die Wenigsten zuvor Gedanken gemacht haben dürften: Ist es Menschenaffen möglich, Kunstwerke zu schaffen?

Der These von Frau Kretschmann, dass Affen nur Farbkleckse produzieren, entgegnete Prof. Ingensiep durch Rückblicke auf die Geschichte der Philosophie. Der Schriftsteller Peacock fragte sich schon im 19. Jahrhundert: "Can Sir Orang draw"? Nach La Mettrie sind menschliche und tierische Aktivitäten gleichgestellt, denn Mensch und Tier sind Maschinen.

Zuerst sahen wir ein Foto eines Makaken, welcher fröhlich in eine Kamera zu grinsen schien. Ein Selfie, wie es kaum besser hätte sein können. Jedoch stellte sich die Frage: War das Absicht oder Zufall? Aus biologischer Sicht sei letzteres wahrscheinlicher, da Affen als Zeichen der Aggression ihre Zähne fletschen. Der Makake hatte sich also wahrscheinlich einfach nur erschreckt, als er im Objektiv der Kamera sein Spiegelbild sah.

Es folgten weitere Beispiele für künstlerisch tätige Affen, besonders stach Schimpanse Congo heraus, welcher mehr als 100 Bilder geschaffen hatte, welche zu Preisen von bis zu 15.000 Euro gehandelt werden. Jedoch, wie genau definiert man Kunst eigentlich? Schließlich hängt die Beantwortung der Frage maßgeblich davon ab...

Desmond Morris, ein berühmter Primatenforscher, definiert Kunst so: Aktivität um ihrer selbst willen, Kompositionskontrolle, kalligraphische Differenzierung, thematische Variation, optimale Spannung und allgemeinverbindliche Schemata. Mit Hilfe dieser Definition sollten wir begründen, ob ein gezeigtes Gemälde von Menschenhand oder das Werk eines animalischen Künstlers sei.

Es wurden beeindruckende Ideen geäußert, einmal brach sogar spontaner Applaus für einen besonders kreativen Beitrag aus. Schließlich enthüllte der Professor die Wahrheit hinter dem Werk: Der Künstler ist ein Affe! Er benutzt Fingerfarben, Wachsmalstifte, Pinsel sowie sein Fell und verschönert seine Bilder mit Holzwolle

und Stroh. Am Ende signiert er sogar seine Gemälde. Beeindruckt sahen wir einer Farbgebung entgegen, die wir der Fertigkeit des Orang-Utans Barito aus dem Zoo in Krefeld nicht zugetraut hätten. Da musste doch eine Intention hinter stecken!

Barito und eines seiner Kunstwerke

Ausblick

Zum Schluss fand eine Diskussion statt, in der über die absichtliche oder unabsichtliche Kunstfertigkeit von Tieren philosophiert wurde. Einige sahen in der Kunst den Ausdruck des Inneren, der sowohl durch für Menschen nachvollziehbare Handlungen - wie beispielsweise dem Malen eines Gemäldes - jedoch auch durch höchst abstrakte und für Menschen im Allgemeinen unsittliche Handlungen - wie beispielsweise dem Werfen mit eigenen Exkrementen - geäußert werden kann. Andere Stimmen behaupteten, dass Kunst im Auge des Betrachters liege, was für Verunsicherung sorgte. Wir einigten uns auf das Fazit, dass Kunst kein vom Menschen geschaffener und somit völlig unabhängiger Begriff ist, den eine Lebensart für sich beanspruchen kann - egal ob Mensch oder Tier.

Prof. Ingensiep erstaunte uns auch mit folgenden Informationen: Affen benötigen einen Raum der Muße zum Malen. Sie schenken ihre Gemälde ihrem Betreuer, um eine Banane zu erhalten. Wenn diese verweigert wird, zerreißen sie ihre Werke. Wie menschlich! Außerdem malen nur männliche Affen in der Adoleszenz bis sie Familienväter werden.

Und wir? Was wagen Mädchen, und was wagen Jungen? Was möchten wir erleben, bevor wir Kinder in die Welt setzen?

Jan Kuklok, Yared Schneider (Abitur 2016)

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