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Am 31.01.2013 ...

... besuchte uns Herr Prof. Ingensiep von der Universität Essen-Duisburg nun schon zum vierten Mal in der Aula der Goetheschule. Er hielt speziell für die GK Philosophie und TOK wieder einen sehr interessanten Vortrag zum Thema "Mensch und Tier. Beziehungen und Begegnungen.", wobei er biologische und ethische Grundsätze im Sachzusammenhang verständlich vorstellte.

Evolution
Mit der Erkenntnis, dass alle Lebewesen aus einem polymorphen Schleimhaufen, einer Amöbe, entstanden sind, stellt sich die Frage, was uns von Pflanzen und Tieren unterscheidet. Der Zoologe Cuvier weist mit seinem Diktum "Wir sind Darmwesen" auf die anatomische Ähnlichkeit von Ringelwurm und Mensch hin, welche trotz der fortschreitenden Evolution gegeben ist. Nach Nietzsche soll der Mensch sowohl den Wurm als auch den Affen in sich überwinden, denn er soll zum Übermenschen werden. "Ihr habt den Weg vom Wurme zum Menschen gemacht, und Vieles ist in euch noch Wurm. Einst wart ihr Affen, und auch jetzt ist der Mensch mehr Affe, als irgendein Affe.

Hierarchie der Lebewesen
In der Philosophie wurde dem Menschen schon immer eine Sonderstellung zugesprochen, welche durch die Seelenordnung des Aristoteles (384-322 v. Chr.) bestärkt wird. Nach ihm gibt es drei verschiedene Seelen. Die Pflanzen besitzen ausschließlich die Anima vegetativa (Nährseele), die Tiere zusätzlich die Anima sensitiva (Sinnesseele). Nur der Mensch verfügt mit der Anima rationalis (Vernunftseele) über alle drei Seelen. Auch im 18. Jahrhundert wird durch die anthropozentrische Stufenleiter der Natur die topographische Ordnung mit dem Menschen an der Spitze deklariert. Dieses anthropozentrische Weltbild setzt sich mit der Phylogenese (Stammbaumentwicklung) von Darwin im 19. Jahrhundert fort, wird jedoch von einer topographischen in eine temporale Ordnung abgewandelt, welche sich nicht mehr auf die Wichtigkeit, sondern auf den zeitlichen Bestand der Lebewesen bezieht.

Drei europäische Beziehungsgeschichten zwischen Mensch und Tier
Der Frosch wurde früher als unreines, hässliches Wesen und Verursacher von Krankheiten angesehen. Aufgrund seiner Erscheinung galt er im 12. Jahrhundert als "Teufel auf Erden". An lebenden Fröschen wurde die Nervenreizung durch Elektrizität getestet.

Diese Vivisektion ...

... wurde damit gerechtfertigt, dass die äußere deformierte Erscheinung auf eine innere Unvollkommenheit schließen lasse. Außerdem bewertete Descartes alle "Tiere als Maschinen ohne Seele, Verstand und Schmerzen". Im 19. Jahrhundert verbesserte sich das Ansehen des Frosches ein wenig, indem er nun als Symbol des Spießbürgertums gesehen wurde. Im 20. Jahrhundert dagegen wird der Frosch von Ratte und Maus als Labortier abgelöst und gilt stattdessen als das Symbol für Umwelt- und Klimaschutzes. Patrick Süskind greift in seinem Roman "Das Parfum" noch einmal die alte Vorstellung von einem Monsterwesen auf.
Pferde wurden als Transportmittel, im Militär und dann in der Landwirtschaft bis ins 19. Jahrhundert ausgebeutet. 1837 wurde der 1. deutsche Tierschutzverein gegründet, der sich für eine zunehmende Barmherzigkeit gegenüber höheren Tieren einsetzte. Aber auch dort stand das Interesse des Menschen im Vordergrund. Wenn man Pferde essen will, muss man sie vorher gut füttern.

Dressierte Pferde ...

... dienten auch zur Unterhaltung: Der "kluge Hans" konnte aber nicht wirklich rechnen, sondern nur die Körpersprache seines Lehrers in richtige Bewegung umsetzen. Bis heute übernehmen Pferde die Rolle eines Luxus- und Unterhaltungstieres.
Abgestempelt als aggressives Monster, "King Kong", erkannte man zuerst nicht die hohe technische Intelligenz von Affen, welche sie bei Werkzeuggebrauch und Planhandlung anwenden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Orang-Utan Barito im Krefelder Zoo, der Bilder für seine Pfleger malt, um dafür eine Belohnung in Form von Futter zu erhalten. Wenn diese allerdings nicht seiner Vorstellung entspricht, zerreißt er seine Bilder, bestraft so den Pfleger, um eine bessere Belohnung zu erzwingen.

Der Vortrag von Herrn Prof. Ingensiep war für uns alle einmal wieder eine faszinierende fächer- und stufenübergreifende Erfahrung. Wir waren erstaunt, wie Prof. Ingensiep die Sprache der Kröten nachahmen und verstehen kann! Die Erkenntnis, dass Menschenaffen uns in vielen Bereichen mehr als ähnlich sind, zeigt den Paradigmenwechsel (Kuhn) in der Tierpsychologie. Barito ist dafür nur eines von vielen Beispielen. Menschen tun doch das Gleiche, wenn sie auf die Straße gehen, um für eine Lohnerhöhung, also eine Würdigung unserer Arbeit, zu streiken. Wäre es somit nicht unumgänglich, "Menschenrechte" für Primaten einzuführen (Great-Ape-Project)? Wer sind die Sieger der Evolution? Welche Tiere dürfen wir Menschen essen? Fragen der Food Ethic wird Herr Prof. Ingensiep in seinem nächsten Vortrag 2014 beantworten. Wir freuen uns schon darauf!

Renée Kimmig, Julia Weyand (Abitur 2013)

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