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Vegan contra Öko? Welches Leben ist ethisch gut?

Vegan contra Öko? Welches Leben ist ethisch gut?

Am 25. Januar war es wieder so weit. Ein Highlight für alle Philosophen der Goetheschule. Professor Ingensiep der Universität Duisburg-Essen besuchte nun schon zum achten Mal die Philosophen unserer Schule und hielt wieder einen interdisziplinären Vortrag.

„Der Mensch ist, was er isst.“ Mit diesem Zitat des Philosophen Feuerbach leitete Professor Ingensiep seinen Vortrag als Denkanstoß ein. Zu Feuerbachs Zeiten, also vor rund 200 Jahren, galt das Konsumieren von Fleisch als unverzichtbar, um tatkräftig arbeiten und seinen Geist entwickeln zu können.

Nach diesem philosophisch orientierten Einstieg folgte eine biologische Erklärung, wie die heutige Ernährungsform der Menschen entstanden ist. Der Darm ist besonders wichtig, da er als Nahrungspol die Basis des Lebens bildet. Die Evolution veränderte die Ernährungsform des Menschen massiv. Die Hand grenzt den Menschen von anderen Lebewesen ab und gilt als Voraussetzung, um sich zu ernähren und sesshaft zu werden. Des Weiteren passten sich der Mensch und das Tier an das immobile Pflanzenleben an. Der Mensch wurde also sesshaft und sicherte sich so seine Ernährung. Dies bildete die Basis für frühe Hochkulturen.

Wie sollen wir uns im Einklang mit der Natur und Kultur ernähren? In einem Film über ökologische Tierhaltung sahen wir, dass die Tiere mit möglichst wenig Stress geschlachtet werden und bis dahin ein gutes Leben führen. Im Kontrast dazu wurden wir mit Fakten und Daten über Massentierhaltung und Eindrücken von einem Schlachthof konfrontiert. Beispielsweise waren viele von uns erstaunt, dass an manchen Schlachthöfen etwa 50.000 Tiere am Tag getötet werden.

Daraufhin wurde uns die Tier- und die Umweltethik vorgestellt. Dieses konnten die Philosophen der Stufe 12 mit unserem bereits erlernten Wissen verknüpfen, da wir Kant und Schopenhauer bereits im Unterricht besprochen haben. Die neue Food Ethics bildet eine eigene Krisenethik zur Massenhaltung und Umweltzerstörung. Ingensiep stellte die Welternährung und die Folgen des Klimawandels, welche auch mit der Ernährungsversorgung zusammenhängen, als großes Problem dar und brachte uns damit wohl alle zum Nachdenken. Er nannte Beispiele, wie der steigende Export von Billigfleisch, die Verschwendung von Ressourcen und das Vorkommen von Antibiotika in der Tierhaltung. Außerdem schockierte einige die Tatsache, dass für die Herstellung eines Kilogramms Rindfleisch 15.000 Liter Wasser benötig werden.

Um zurück auf unsere Grundfrage zu kommen, wurden uns einige Lebensformen vorgestellt, darunter zum Beispiel Vegetarismus, Veganismus und die Paleo-Ernährung, bei der man sich vor allem von Fleisch ernährt. Radikale Veganerbeschimpfen Ökobauern als Sklavenhalter! Prof. Ingensiep argumentierte dagegen,dass eine vegane Lebensweise nicht konsequent natur- und umweltfreundlich ist, sondern das Tierwohl in den Vordergrund stellt. Für die ökologische Tierhaltung und Landbau spricht, dass natürlichen Kreisläufe und Landschaften erhalten bleiben. Im Anschluss fand eine kontroverse Diskussion zwischen uns Schülern statt.

Am Ende des Vortrags erzählte Frau Kretschmann von eigenen Erfahrungen in Hinblick auf die Entfremdung zum Tier und setze die vielen neuen Informationen und Anreize so in Zusammenhang mit dem täglichen Leben.

Insgesamt hat das Thema hervorragend in die aktuelle Schulsituation bezüglich der Ernährungsumstellungen im Bistro gepasst, wie auch unsere Schulleitung Frau Dr. Haas bei ihren einleitenden Worten erwähnte. An dieser Stelle möchten wir deshalb den Bistro-Müttern für ihr Engagement danken, welches möglich machte, dass seit einiger Zeit Produkte aus biologischer Landwirtschaft gekauft werden können. Außerdem bedanken wir uns im Namen der Schule herzlich bei Professor Ingensiep und freuen uns auf viele weitere interessante Vorträge.

Büchertipp für Interessierte: - „Leben-Essen-Töten“ (Prof. Ingensiep)

- „Ich bin dann mal vegan“ (Bettina Hennig)

Fabiola Ruiz-Alfranca und Luisa Himmel (Abitur 2017)

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