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Roland Pohley: Mit Goethe gegen Sucht

„Das Rauchen [...] macht dumm; es macht unfähig zum Denken und Dichten. Es ist auch nur für Müßiggänger, [...]. Zum Rauchen gehört auch das Biertrinken, damit der erhitzte Gaumen wieder abgekühlt werde. [...] So werden die Nerven abgestumpft und das Blut bis zur Stockung verdickt. Wenn es so fortgehen sollte, wie es den Anschein hat, so wird man nach zwei oder drei Menschenaltern schon sehen, was diese Bierbäuche und Schmauchlümmel aus Deutschland gemacht haben [...]. Aber es liegt auch im Rauchen eine arge Unhöflichkeit, eine impertinente Ungeselligkeit. Die Raucher verpesten die Luft weit und breit und ersticken jeden honetten Menschen, der nicht zu seiner Verteidigung zu rauchen vermag.“ 1
Es besteht der begründete Verdacht, daß diese Einstellung Goethes auch nach 200 Jahren noch nicht jedermann an unserer Schule überzeugt hat. Im Rahmen des Konzeptes des „fächerübergreifenden Lernens“ sollten Kräfte gebündelt werden, um durch umfangreiche Informationen und sinnvolle Aktionen der Suchtgefahr und dem Drogenkonsum, natürlich auch der Drogen, die Goethe nicht erwähnt hat oder die er nicht kennen konnte, die er aber sicherlich mindestens ebenso vehement verdammt hätte, entgegenzuwirken.
Ausgewählt für das Präventionsprojekt, das im Februar 1998 stattfand, wurden die Schüler der Jahrgangsstufe 8. Sie erschienen alt genug für freies Arbeiten, aber noch nicht zu alt für bewahrendes Vorbeugen.
Dem Gedanken folgend, daß Lehrer, auch wenn sie sich noch so gründlich informieren und kundig machen, über Drogen und Suchtverhalten nie so authentisch berichten können wie Betroffene und Experten dieses Gebietes, stellten Gespräche der Schüler mit derartigen Fachleuten den Schwerpunkt des Suchtprojektes dar. Es konnten für diese Diskussionen Vertreter der Krisenhilfe der Stadt Essen, der Caritas, der Anonymen Alkoholiker, des Kreuzbundes und der Polizei gewonnen werden.
Um diese Gesprächsrunden möglichst erfolgreich und gewinnbringend zu gestalten, erschien es sinnvoll, den Schülern genügend Zeit für eine intensive Vorbereitung einzuräumen. Dies geschah in Form von Arbeitsgruppen, die sich selbständig und teilweise klassenübergreifend fanden und auch ihre Themen und Arbeitsformen eigenständig suchten.
Die Ergebnisse dieser Arbeiten stellten die Teams dann am 1. Projekttag in unterschiedlicher Form dar. In selbsterstellten Filmen wurden die Folgen des Drogenmißbrauchs, Interviews mit Experten oder Talk-Shows gezeigt, es wurden Vorträge gehalten, Sachinformationen gegeben und auch Gesprächsrunden abgehalten. Angereichert wurden diese Darbietungen noch durch eine Ausstellung, in der bestimmte Resultate der Gruppenarbeiten besichtigt werden konnten.
Hilft ein solches Projekt, Sucht und Drogenkonsum zu vermeiden? Diese Frage kann natürlich nicht eindeutig beantwortet werden, aber sich informieren und sachlich informiert zu werden, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, gerade auch in einer Gruppe, ist dem Unwissen oder Halbwissen und dem Verschweigen sicher vorzuziehen.
„Seelenleiden, in die wir durch Unglück oder eigene Fehler geraten, sie zu heilen vermag der Verstand nichts, die Vernunft wenig, die Zeit viel, entschlossene Tätigkeit hingegen alles.“ 2

Anmerkungen:
1 Goethe. Gedenkausgabe der Werke, Briefe und Gespräche, herausgegeben von E. Beutler, Zürich 1948, Bd. 22, S. 518f.
2 Ebenda, Bd. 8, S. 304f.