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9. Landeswettbewerb Philosophischer Essay 2008


8. Landeswettbewerb Philosophischer Essay 2007


7. Landeswettbewerb Philosophischer Essay 2006


Welche Farbe hat das Nichts?

Oder: Nietzsche und der Nihilismus

Das Nichts ist schwarz. Es ist kalt und wabert um uns alle, die wir ohne Sinn Zeit unseres Lebens dahinvegetieren. Das Nichts ist hässlich. Ich mag es nicht – und Nietzsche auch nicht. Also machen wir aus dem Nichts ein Etwas, geben ihnen Sinn den Nihilisten. Einige finden Sinn in der Religion, andere in der Aufklärung (es gibt auch welche, die finden keinen), doch Nietzsche sieht ihn in etwas anderem; im Übermenschen. Der Übermensch ist geprägt durch seinen Egoismus. Er will Macht und schafft sich dafür seine eigene Moral. Souverän ist er ein Freigeist, immer auf den eigenen Vorteil bedacht. Aber vor allem ist er, meiner Ansicht nach, eines: dumm.
Nietzsches Übermensch ist die personifizierte Dummheit.
Wenn er nach Nietzsche ein Tier sein, den Instinkten nach handeln soll, so braucht man nur einmal in das Tierreich schauen. Welche Gattung Tier beherrscht die Welt? Nein, es ist nicht der Wolf oder ein anderer Zähnefletscher, es ist der Mensch. Und warum? Weil er Intelligenz besitzt und die Fähigkeit sich anzupassen. Dies macht den wahren Übermenschen aus: Anpassung.
Ich gebe zu, manchmal macht es Spaß, mal den Nietzsche raushängen zu lassen. Einmal richtig böse sein, Schwache zu verachten und ihnen das auch zu zeigen. Ich sehe mir gerne die abgestürzten Individuen an, die ich bei meinen Stadtbummeln treffe und lache über sie - mit Vorliebe laut. Ich tue meine abfällige Meinung über andere auch gerne in der Öffentlichkeit kund: am liebsten in der Bahn. Es ist sehr amüsant zu sehen, wie Leute darauf reagieren; besonders gefallen mir jene Menschen, denen man ansieht, dass sie sich angesprochen fühlen. Doch mein ganzes Leben Nietzsche sein? Nein, das wäre nichts für mich, schon allein wegen dieses Suppensieb-Schnauzers.
Wenn nun aber daraus geschlossen wird, ich sei die meiste Zeit dann doch ein ganz lieber, moralischer Mensch, der an andere denkt, so liegt man falsch. Ich denke an mich, und zwar nur an mich. Ich will, dass es mir gut geht, ich will meinen Vorteil. Doch den "lonely wolf" zu machen, das ist mir zu doof, das mag ich nicht. Also verachte ich subtiler, schaffe meine eigenen Werte, zeige sie nur nicht jedem.
Ich bücke mich auch für einen Bettler, vorausgesetzt, es schaut jemand zu. Ich bin auch freundlich zu anderen Menschen, gesetzt den Fall, sie bringen mir etwas. Ich passe mich der Gesellschaft an, hülle mich in ihr Wertefell und sollte es noch so stinken. Denn nur Anpassung sichert mir mein Überleben, nur dadurch kann ich die Macht erlangen, die Nietzsche gern gehabt hätte, kann ich meine Ziele erreichen, meinen Vorteil erlangen.
Doch nun wird man fragen: Wenn man nur durch Anpassung zum Übermenschen wird, woran erkenne ich ihn dann? Wodurch unterscheidet er sich vom Normalo?
Eigentlich gar nicht: Der wahre Übermensch lebt inmitten der Gesellschaft, akzeptiert und geachtet ob seiner vorbildlichen Moral. Er hat Erfolg, Macht und, alles in allem, ausgesorgt. Dies haben recht viele Menschen, doch ein Indiz lässt uns den Übermenschen von seinen stupiden Waschbrettkopf-Mitmenschen unterscheiden. Er besitzt Intelligenz und geht mit ihr skrupellos um, um seine Ziele zu verfolgen. Denn Intelligenz ist wie eine fein gearbeitete Klinge. Jeder, der sie sieht, wird sagen: Ohh, wie schön! So was Tolles und Seltenes hab' ich ja noch nie gesehen! Und sobald er sich umdreht: Zack! Rein damit1 Bis zum Heft in den warmen Leib! Spritzen muss es! Und noch mal umdrehen das gute Stück! So setzt man Intelligenz ein. Doch wer sie nicht hat und trotzdem auch mal böse sein will, soll Nietzsche nehmen. Oder sich weiter vom kalten Nichts umwabern lassen. Ich mag beides nicht.

Anonymus, Stufe 12 (2006)

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